Am
13.09. war das SPD-Bundesvorstandsmitglied Sigmar Gabriel
zu Gast in unserem Wahlkreis. Als weitere Gäste konnte
Karl Lauterbach am Wiener Platz in Mülheim die Kölner
Bundestagskandidaten Martin Dörmann und Rolf Mützenich,
den
Mülheimer
Landtagsabgeordneten Marc Jan Eumann sowie den Vorsitzenden
der Kölner SPD, Jochen Ott, begrüßen.
Zahlreiche Besucher waren bei schönem Wetter zum
Veranstaltungsort gekommen.
Einführend verwies Karl Lauterbach
auf die große Wichtigkeit der Wahl am 18. September.
Deutschland stehe vor der Entscheidung, das erfolgreiche
rot-grüne Reformprojekt fortzuführen, oder aber
unter schwarz-gelber Ägide, ein anderer, sozial kälterer
Staat zu werden, mit einer Kopfpauschale bei der Krankenversicherung,
einem ungerechten Steuersystem und einer privatisierten
Pflegeversicherung.
Sigmar Gabriel rief die Anwesenden
in einer packenden Rede dazu auf, die verbleibenden Tage
bis zur Bundestagswahl zu nutzen, um den derzeitigen Aufwärtstrend
der SPD bei den Wählern zu stärken.
Er wies darauf hin, daß die
derzeitigen Probleme Deutschlands schon seit zwanzig Jahren
bekannt seien, die unionsgeführte Regierung unter
Helmut Kohl aber die Augen vor der Realität verschlossen
habe.
Erst
die SPD-geführte Bundesregierung unter Gerhard Schröder
hatte den Mut, auch unangenehme, aber zukunftssichernde
Entscheidungen zu fällen. So konnte beispielsweise
das Rentensystem stabilisiert werden, welches unter der
CDU auch zur Finanzierung anderer Bereiche mißbraucht
wurde.
Gabriel ging auch auf die Schuldenproblematik
der Bundesrepublik ein. Zwar seien die Schulden in Deutschland
immer noch zu hoch, allerdings machte die derzeitige Bundesregierung
in ihrer bisherigen siebenjährigen Amtszeit nur noch
ein Drittel der Schulden, welche die Regierung Kohl in
ihren letzten sieben Jahren angehäuft hatte. „Wir
sind auf dem richtigen Weg“, so Gabriel. So mußten
für den Erhalt der Rentenversicherung während
unserer Regierung überhaupt keine neuen Kredite aufgenommen
werden.
Statt dessen gelang es, die Investitionen
in das deutsche
Bildungssystem
massiv zu erhöhen. Sigmar Gabriel verwies darauf,
daß in diesem Zusammenhang über vier Milliarden
Euro in Ganztagsschulen, und weitere vier Milliarden Euro
in die Betreuung unter dreijähriger Kinder investiert
werden konnten. Dies sei auch für die freie Entfaltung
junger Mütter ein wichtiger Schritt.
Gabriel hält es für einen
eklatanten Fehler, daß in Deutschland Sozialabgaben
nur auf Löhne und Gehälter erhoben werden. So
sei es für die Besserverdienenden ein Leichtes, sich
aus der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu stehlen,
erzielen diese doch den größten Teil ihres
Einkommens aus Zins- und Spekulationsgewinnen, für
die momentan keine Abgaben zu entrichten sind. Dieses
werde sich unter der SPD in der nächsten Legislaturperiode
ändern. Das maßgeblich von Karl Lauterbach
mitentwickelte Konzept der Bürgerversicherung werde
diesen Mißstand beseitigen, da hier alle Einkommensarten
berücksichtigt werden. Dies führe zu mehr Gerechtigkeit,
einer besseren finanziellen Ausstattung des Sozialsystems
und zu stabilen Beiträgen.
Im
dritten Abschnitt seiner Rede befaßte sich Gabriel
mit dem Thema Arbeitsmarkt. Der Standort Deutschland werde
unnötig schlecht geredet, wie die Stellung Deutschlands
als Exportweltmeister zeige. „Wir sind sehr wohl
wettbewerbsfähig“, stellte Sigmar Gabriel klar.
Das Problem liege in der Binnennachfrage. Gabriel dementierte
nicht, daß die Bevölkerung derzeit zu wenig
Geld in der Tasche hat. Die Unionsparteien hätten
allerdings in der laufenden Legislaturperiode sozialdemokratische
Initiativen, die diese Situation ändern sollten,
systematisch torpediert. So gelang es beispielsweise nicht,
überflüssige Steuersubventionen abzuschaffen
und das freiwerdende Geld in den Wirtschaftskreislauf,
also in die Schaffung von Arbeit, fließen zu lassen.
Die Union verhinderte beispielsweise die Besteuerung von
Grundstücks- und Aktienspekulationen. Gabriel verwies
auf sein Bundesland Niedersachsen, dem diese Steuern jährlich
25 Millionen Euro an Mehreinnahmen beschieden hätten.
Allerdings schloß sich die dortige CDU-Landesregierung
der Ablehnungsfront gegen diesen Vorschlag aus Rücksicht
auf ihre Klientel an, verzichtete auf diese Summe und
kürzte statt dessen lieber das Landesblindengeld
um 21 Millionen Euro. Dies sei auch ein Ausblick auf das,
was Deutschland unter einer Kanzlerin Merkel bevorstehe.
Gabriel gestand auch Fehler der SPD
ein. So kündigte er an, daß in der nächsten
Legislaturperiode ältere Arbeitslose bei Hartz IV
besser gestellt würden. Aber Fehler, so Gabriel,
könne nur der machen, der den Mut hat, überhaupt
etwas zu tun und auch unangenehme Dinge anzupacken.
Nach lang anhaltendem Applaus lud
Karl Lauterbach nun die
Anwesenden
ein, Sigmar Gabriel und ihm Fragen zu stellen. Gerne kamen
die interessierten Bürger diesem Angebot nach. So
konnten den Anwesenden die Themen Steuersubventionen bei
der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und
die weitere Zusammenarbeit einer SPD-Regierung in der
nächsten Legislaturperiode mit einem unionsdominierten
Bundesrat näher erläutert werden.
Bei einer Frage nach der Zukunft der
Pflegeversicherung verwiesen Gabriel und Karl Lauterbach
darauf, daß diese in die Bürgerversicherung
integriert werde, und so zukunftssicher gemacht werde.
Für Sigmar Gabriel ist es ein Unding, daß beim
derzeitigen System pflegebedürftige Senioren, die
ihr ganzes Leben für unsere Gesellschaft gearbeitet
haben, in Zwei- oder gar Dreibettzimmern untergebracht
werden. Solche Zustände können durch die dann
vorhandene bessere finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung
überwunden werden.
Die Politik ist nicht allmächtig,
so Gabriel. Sie ist allerdings verpflichtet, für
die Bürger die bestmöglichen Lebensgrundlagen
zu schaffen. So würden bei der Fortführung der
rot-grünen Regierung die Investitionen in Bildung,
den wertvollsten deutschen Rohstoff, weiter verstärkt
und mit der Bürgerversicherung soziale Ungerechtigkeiten
beseitigt. „Sozial ist nicht das, was Arbeit schafft,
sondern sozial ist das, was Arbeit schafft, von der die
Bürger leben können“, meinte er.
Im Anschluß nahmen sich die
anwesenden Politiker auch Zeit für weitere Einzelgespräche
mit den anwesenden Zuhörern, wovon diese regen Gebrauch
machten.
Die zahlreichen Besucher machten deutlich,
wie groß das derzeitige Interesse der Bürger
an der Entwicklung nach dem 18. September ist. „Eine
gerechtere Politik ist möglich“, so Karl Lauterbach.
Oliver Minich (SPD-Mitglied Köln Mühlheim)